geschichten:mandra-diruydaa-zedra
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- | ====== Mandra Diruyda' | ||
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- | Später Nachmittag auf einer warmen Lichtung in den farbenprächtigen Wäldern von Yew. Die warme Sonne des langsam vom Sommer in den Herbst übergehenden Jahres fällt durch das lichte Blätterdach in goldgelben Strahlen. Wie ein geschlossener Raum wirkt die Lichtung, welche von uralten, hohen Bäumen umgeben ist. Die Borke der Bäume ist rau und schimmert im warmen Licht rötlich-silbern. An den schattigeren Stellen hellbraun, aber niemals ungesund schwarz oder grau. Seit einer Woche hat es nicht mehr geregnet, der Himmel ist wolkenfrei über dem Wald und der Boden in der humosen obersten Schicht trocken und warm, darunter feucht und angenehm kühl. Kaum Pflanzen wachsen auf dem Waldboden. Er liegt blank und ungeschützt, | ||
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- | Es geht ein zarter Wind, der erste Bote des Herbstes, welcher bald in das Land hereinbrechen wird, wenn er auch sehr viel milder in Yew ausfällt, wo die Wälder geschützter und magischer sind, als in den umliegenden Ländern. Und vom Wind getragen schwirrt eine Libelle über die Lichtung. Das warme Licht wird von ihren transparenten Flügeln gebrochen und in allen Farben des optischen Spektrums einzeln reflektiert wie ein Regenbogen. Das leise Schlagen verstummt gänzlich als die Libelle landet. Die türkisen Facettenaugen und der Blick eines Waldelfen treffen sich. Freundlich lächelt der Waldelf, welcher auf der Lichtung die Schöpfung Ilindir und Alasiors, zu genießen versucht, und legt das Schnitzmesser beiseite auf den trockenen Waldboden. Er lässt dabei die Libelle auf seinem Knie nicht aus den Augen und versucht sich möglichst wenig zu rühren um sie nicht zu verschrecken. Eine Weile vergeht in stiller Zweisamkeit zwischen dem Waldelf, der sich Paredion Eldariel nennt, und der Libelle. Doch dann mit einer großen Zahl an Flügelschlägen, | ||
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- | Nun atmet Paredion etwas auf, aber bleibt an den Methusalem, einen der uralten Bäume, gelehnt auf dem Boden sitzen. Denn eigentlich war er hergekommen um in Ruhe an einem Werkstück von höchster Wichtigkeit zu schnitzen. An seine nackte Brust lehnt ein langes Stück rötliches Holz. Ausnahmsweise ist er heute nicht rituell bemalt und keine weiße Körperfarbe ziert seine haselnussbraune Haut. Wie so oft trägt er dazu eine grüne lairfeya Lederhose und schlichte Sandalen aus robustem Leder. Alles wirkt sehr einfach verglichen mit dem prächtigen Umhang, den er auf einem Ast in der Nähe aufgehängt hat. Es ist ein dunkelgrüner Bauschumhang mit einem edlen Kragen geschmückt mit schwarzen Federn. Der Umhang sieht noch sehr neu aus. Ohne Eile greift er wieder zu seinem Schnitzmesser und bearbeitet das Werkstück weiter. Es lässt sich bereits erkennen, dass es sich dabei um einen Druidenstab zu handeln scheint. Seine Aufgabe im Sala, dem er angehört, ist es das Gleichgewicht der Natur in den umliegenden Wäldern, die sie behüten, zu bewahren. Auf diese Weise sollte gesichert sein, dass der Wald genug Lebensraum für die Waldelfen und Wesen des Waldes bietet und mittels nachhaltiger Bewirtschaftung, | ||
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- | In den über 400 Jahren seines Lebens hatte Paredion reichlich Gelegenheit über die Wahrheit, das Gute und das Sein zu reflektieren. So mag er auch gerade eben darüber philosophieren, | ||
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- | Diese Seele ist es, was die Dinge zusammenhält. Ein unbeseelter Gegenstand vergeht und ist nicht von Dauer. Paredion spinnt tief in seine Philosophie versunken, während er am Druidenstab schnitzt, seine These weiter. So könnte es doch sein, dass wenn ein natürliches, | ||
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- | Nach einer Weile ist eine runde zylindrische Form geschaffen. Es sieht noch grob aus und man sieht deutlich wo das Schnitzmesser das rötliche Holz geschnitten hat. Die etwa zweihundertzehn Zentimeter lange Stange hat nun einen Durchmesser von ungefähr 5 Zentimetern. Doch ist dieser nicht exakt und weist an einigen Stellen leicht dünnere oder dickere Stellen auf. Dafür ist der Stab schon jetzt in seiner groben Form erstaunlich geradlinig. Mit dem Auge misst Paredion den Abstand vom oberen Ende des Stabes bis zu der Stelle an der er eine besondere Schnitzerei einarbeiten möchte. Ungefähr eine Spanne weit unter dem oberen Ende markiert sich Paredion die Stelle. Eine Spanne ist die Länge zwischen Daumen- und Kleinfingerspitze einer ausgespannten Hand. Das Anderthalbfache dieser Strecke weiter unten macht er sich mit dem Schnitzmesser eine zweite abschließende Markierung. Dann schnitzt er den Stab ober- und unterhalb des markierten Bereichs schmaler. Einige Stunden bis zum Sonnenuntergang braucht er für diesen nächsten Arbeitsschritt. | ||
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- | Die Nacht bricht herein. Doch finster wird es nicht. Das Sternenlicht Alasiors erhellt die Lichtung und der Mond steht weiß und voll am Firmament. Nachts entfaltet der magische Wald Yews einen ganz anderen Charakter. Glühwürmchen tanzen über die Lichtung, Grillen zirpen in den Grasbüscheln und gelegentlich sieht man das magische Funkeln von Irrlichtern zwischen den Bäumen. | ||
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- | Rund und etwa drei Zentimeter Durchmesser hat der Stab nun, außer an der ausgesparten Stelle unter dem oberen Ende. Dort ist der Stab noch immer 5 Zentimeter dick. Doch überall ist er zwar gerade, aber nicht abgeschliffen. Man sieht noch deutlich die einzelnen Schnitte, die Paredion gemacht hat. Unterhalb der Aussparung schnitzt er einen V-förmigen Span heraus, mit der Spitze des Vs zum unteren, langen Ende des Stabs. Er rundet die Spitze des Vs ab und verjüngt es damit ein fließender Übergang zwischen der schmaleren Stange und der dickeren Aussparung entsteht. Selbiges wiederholt der Druide auf der gegenüberliegenden Seite des unteren Endes der Aussparung. Zwei Vs zieren nun den unteren Übergang von der Stange zu der Aussparung, welche als nächstes Grundfläche für ein Relief werden soll. Er malt mit seiner Bambusfeder und schwarzer Tusche das Muster auf die ausgesparte Stelle des Stabs. Man sieht Reliefs von zahlreichen Pflanzen Yews, die in einem Durcheinander aus Ranken und Blättern als einzelne Individuen untergehen, aber als gemeinschaftliches Muster die Vollkommenheit der Schöpfung wiederspiegeln. Mit seinem Schnitzmesser arbeitet er das Relief heraus. Hierfür lässt er sich reichlich Zeit. Die Motive werden so geschnitzt, dass sie den Eindruck erwecken, tief gearbeitet zu sein. Wenn man jedoch genau hinsieht, wird man feststellen, | ||
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